Holzrücken heute – Forstpraxis in Zeiten des Klimawandels

06.09.2017

Die NABU-Naturschutzstation Münsterland hatte zusammen mit dem Regionalforstamt Münsterland zu einer Informations-Veranstaltung eingeladen. Über 40 Waldbesitzer, Förster, Vertreter des Staatswaldes und weitere Interessierte waren zusammengekommen, um sich bei einer gemeinsamen Exkursion bodenschonende Methoden der Holzernte vorführen zu lassen.

Dr. Dirk Bieker begrüßte die Teilnehmer auf Haus Heidhorn und sprach ein paar kurze einleitende Worte zur Bedeutung bodenschonender Holzernteverfahren für die nachhaltige Waldbewirtschaftung. Der Waldboden kann bereits durch einmaliges Befahren in seiner Funktion als Speicher und Transportorgan für Wasser und Gas zerstört werden. Eine Regeneration von diesen Schäden kann Jahrhunderte dauern. Ungestörte Böden gehören daher zu den endlichen Ressourcen und sind ein schützenswertes Gut.

Nach kurzer Wanderung wurden die Exkursionsteilnehmer vom Unternehmer Thomas Hegemann aus Senden begrüßt, der an kurz zuvor gefällten Fichten die Vorteile einer hydraulischen Doppelseilwinde demonstrierte. Durch die Seilwinde können die Bäume von der Fläche gezogen werden, ohne dass der Boden durch die Befahrung von schweren Forstmaschinen verdichtet wird. Herr Hegemann wies auf die Bedeutung der Seilwinde für die Forstarbeit hin sowie auf die Gefahren, die bei der schweren Seilwindenarbeit zu beachten sind.

Am zweiten Exkursionspunkt demonstrierte die Firma Tobias Heite aus Schmallenberg den Einsatz einer Forstraupe. Diese ist ein geländegängiges Forstfahrzeug, das ebenfalls mit einer Seilwinde ausgestattet ist und dem Unternehmen hilft, Bäume auf die befahrbaren Rückewege zu seilen. Tobias Heite erklärte, dass diese Technik von seinem Unternehmen in erster Linie bei den Arbeiten im Staatswald zum Tragen kommt. Denn dort ist durch den FSC Zertifierungsstandard ein Rückegassenabstand von 40 Metern vorgegeben und damit eine flächige Bearbeitung durch einen Harvester nicht möglich.

Abschließend demonstrierte Patrick Thomas aus der Eifel und seine beiden Pferde die Arbeit mit Rückepferden: Transport von schweren Kiefernstämmen aus dem Wald und zielgenaue Ablage am Weg. Auf Nachfrage erklärte Herr Thomas, dass er seine Pferde durch Stimmkommandos, die Zügel und auch seine eigene Bewegung steuern kann. Die anstrengende Arbeit mit den Pferden wird heute in NRW nur noch von sehr wenigen Betrieben ausgeführt, obwohl Sie sehr gut für die schonende Bearbeitung der Waldböden geeignet ist.

Pferde und Rücker befinden sich derzeit im Einsatz für die NABU Naturschutzstation Münsterland e.V. und helfen dabei eine 100-jährige Kiefernmonokultur durch schrittweisen Umbau zu einem Eichenmischwald umzuwandeln und den Wald damit fit für den Klimawandel zu machen. Durch das bodenschonende Verfahren der Pferderückung brauchen keine neuen Rückegassen angelegt werden und eine Bodenverdichtung durch die Befahrung mit schweren Maschinen kann vermieden werden.

Freitagsspaziergang „Fit für den Klimawandel“

25.08.2017 um 17:30 Uhr

Die Wälder im Süden von Münster werden seit 2014 „Fit für den Klimawandel“ gemacht. Kommen Sie mit auf einen Spaziergang durch die Hohe Ward und lassen Sie sich die bereits durchgeführten Maßnahmen zur Anpassung unserer Wälder zeigen. Vom schonenden Waldumbau mit dem Pferd über verschlossene Gräben bis hin zu Schwarzspechthöhlen und Altholzinseln gibt es eine Menge zu entdecken.

25. August 2017, 17.30 – 19.30 Uhr. Treffpunkt: Haus Heidhorn, Westfalenstraße 490 in Münster-Hiltrup. Teilnahme kostenfrei. Weitere Informationen bei der NABU-Naturschutzstation Münsterland, Tel. 02501-9719433, E-Mail: wald@nabu-station.de.

Natur pur in Teppes Viertel – Spaziergang im Wolbecker Tiergarten

28.07.2017 um 17.30-19.30 Uhr
Naturwaldzelle Teppes Viertel
Naturwaldzelle Teppes Viertel (Foto: Wilfried Gerharz)

Der Wolbecker Tiergarten hat eine außergewöhnliche Geschichte. Er ist einer der ältesten Wälder im Münsterland, war Jagdgebiet des Fürstbischofs, ist heute Staatswald. Hauptziel des Spaziergangs ist ein Waldstück, das seit über 100 Jahren weder Axt noch Säge kennt. Dabei sehen wir uralte Eichen und ungewöhnliches Totholz – wertvoller Lebensraum für unzählige Tiere, Pflanzen und Pilze.

28. Juli 2016, 17.30 – 19.30 Uhr, Treffpunkt: Tiergarten (Parkplatz an der Alverskirchener Straße, Haltestelle „Im Bilskamp“). Teilnahme kostenfrei. Informationen unter 02501-9719433 oder wald@nabu-station.de.

Den Wald in die Schule bringen – Unterrichtsmodul an Gymnasium übergeben

Übergabe des Unterrichtsmoduls wald.klima.schule durch Anuschka Tecker (vorne Mitte) und Dr. Britta Linnemann (vorne 2. von rechts) von der NABU-Naturschutzstation an Stefan Hof (vorne links), Ulrike Möller (vorne 3. von rechts) und Schulleiter Dr. Heinrich Zopes (vorne 2. von links) vom Kardinal-von-Galen-Gymnasium Hiltrup

Die NABU-Naturschutzstation Münsterland hat heute das erste Unterrichtsmodul zum Thema Wald und Klima an das Kardinal-von-Galen Gymnasium (KvG) in Münster-Hiltrup übergeben. Es wurde im Rahmen des Projektes „Fit für den Klimawandel“ in Kooperation mit dem KvG für Schüler der 8. bis 10. Klasse entwickelt. Das Modul enthält mehrere Unterrichtseinheiten zum Thema und wird ergänzt durch ein Waldpaket mit Materialien zur Durchführung von Exkursionen. Interessierte Lehrer können Modul und Waldpaket kostenlos über die NABU-Naturschutzstation beziehen.

Der Klimawandel bringt das Thema Wald und Klima auf die Tagesordnung der Umweltbildung, denn die Wälder allein können den übermäßigen CO2-Ausstoß auf der Erde nicht begrenzen. Dafür müssen die Menschen zum Handeln bewegt werden. Deshalb werden im Projekt „Fit für den Klimawandel“ Unterrichtsmodule entwickelt, die Lehrern bundesweit kostenlos zur Verfügung stehen. Das Modul wald.klima.schule für Biologie- und Geographie-Lehrer der Klassen 8 bis 10 wurde heute an die erste Schule übergeben: das KvG in Münster-Hiltrup.

„Das Modul bietet eine abwechslungsreiche Aufbereitung des Themas Wald und Klima für die Anwendung im Unterricht und auf Waldexkursionen“, betont Dr. Britta Linnemann, Vorstand der NABU-Naturschutzstation. Ganz im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung werden bei allen Einheiten Kompetenzen für die Gestaltung unserer Zukunft gefördert. So planen die Schüler einen Zukunftswald vor dem Hintergrund des Klimawandels oder erarbeiten Möglichkeiten zur Reduzierung ihres eigenen CO2-Fußabdrucks. Auf einer Waldexkursion vermessen sie Bäume und errechnen, wie viele davon ihre jährlichen CO2-Emissionen binden.

Schulordner mit Unterrichtsmodul und Walkpaket mit Materialien für Exkursionen

Ergänzend dazu wurden Waldpakete mit Materialien zusammengestellt, die für die Durchführung der Exkursionen hilfreich sind. „Die unmittelbare Erfahrung der Lehrinhalte auf Waldexkursionen bietet einen praktischen und reizvollen Zugang zum Thema“, stellt Anuschka Tecker fest, die die Module an der NABU-Naturschutzstation entwickelt hat. Im Waldpaket enthalten sind unter anderem Becherlupen für die Bestimmung von Tieren, Maßbänder für die Vermessung der Bäume und Thermometer für den Vergleich der Temperatur innerhalb und außerhalb des Waldes.

Interessierte Lehrer können das Unterrichtsmodul und das Waldpaket kostenlos bei der NABU-Naturschutzstation Münsterland beziehen. Für den Erhalt der Waldpakete ist ein kurzer formloser Antrag nötig. Das Modul steht zudem in Kürze hier zum Download bereit.

Kontakt

Anuschka Tecker, a.tecker@nabu-station.de, 02501-9719433

Wilde Wälder – Neue Ausgabe der Davert Depesche+ erschienen

Je wilder, desto lieber – so mögen zwei von drei Deutschen die Natur. Die Bundesregierung will fünf Prozent der Waldfläche in Deutschland in Form von Wildnisgebieten sichern. Bisher dürfen Wälder bei uns jedoch nur selten wachsen, wie sie wollen. In manchen Gebieten hält der Mensch sich aber weitgehend heraus und beobachtet die natürliche Entwicklung. Dort entsteht neue Wildnis – auch ganz in unserer Nähe.

Die neue Ausgabe der Davert Depesche+ stellt Gebiete, Lebensräume und Arten vor, die davon profitieren und erklärt, warum heute wieder wilde Wälder entstehen. Sie sind gleichzeitig Lebensraum, Schatzkammer und Vorbild. Ein Beispiel ist die Bechsteinfledermaus: Sie stellt sehr hohe Ansprüche an ihren Lebensraum und profitiert von vermehrter Wildnis in unserer Umgebung. Schließlich erläutert eine Försterin und Waldökologin die Hintergründe der aktuellen Entwicklung, die auf die Konvention zum Erhalt der biologischen Vielfalt von Rio 1992 zurückreicht.

In der neuen Davert Depesche+ können Sie all dies lesen. Sie liegt ab sofort an den bekannten Orten im Süden von Münster und im angrenzenden Münsterland aus. Die Depesche stellt die Aktivitäten des Projektes „Fit für den Klimawandel“ vor und informiert über aktuelle Veranstaltungen zum Thema im Gebiet. Sie ist kostenlos erhältlich und kann hier abgerufen werden. Viel Spaß beim Lesen!

Freitagsspaziergang „Fit für den Klimawandel“

28.04.2017 um 17:30 Uhr

Die Wälder im Süden von Münster werden seit 2014 „Fit für den Klimawandel“ gemacht. Kommen Sie mit auf einen Spaziergang durch die Hohe Ward und lassen Sie sich die bereits durchgeführten Maßnahmen zur Anpassung unserer Wälder zeigen. Vom schonenden Waldumbau mit dem Pferd über verschlossene Gräben bis hin zu Schwarzspechthöhlen und Altholzinseln gibt es eine Menge zu entdecken.

23. Juni 2017, 17.30 – 19.30 Uhr. Treffpunkt: Haus Heidhorn, Westfalenstraße 490 in Münster-Hiltrup. Teilnahme kostenfrei. Weitere Informationen bei der NABU-Naturschutzstation Münsterland, Tel. 02501-9719433, E-Mail: wald@nabu-station.de.

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