Eichen, Eschen und Extreme – Informationen für Waldbesitzer

Die NABU-Naturschutzstation Münsterland hatte zusammen mit dem Regionalforstamt Münsterland zu einer Informations-Veranstaltung eingeladen. Rund 40 private Waldbesitzer, Stadtförster und Vertreter des Staatswaldes waren am Mittwoch, den 22. Februar 2017, zusammengekommen, um sich über die Bedeutung des Klimawandels für ihre Wälder auszutauschen.

Michael Elmer begrüßte die Gäste im historischen Speicher auf Haus Heidhorn. Er berichtete über die aktuellen Untersuchungen zum Thema im Projekt „Fit für den Klimawandel“: Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Wasserversorgung der Bäume aus? Wie geht es den Eichen im Süden von Münster? Und: Welche Entwicklungen können wir für die Zukunft erwarten?

Dr. Mathias Niesar, Leiter der Schwerpunktaufgabe Waldschutzmanagement von Wald und Holz NRW, beleuchtete in seinem Vortrag zunächst die allgemeine Situation der Waldbäume in Nordrhein-Westfalen. „Der Klimawandel stellt alle heimischen Arten vor besondere Herausforderungen und die Risiken für ihre Nutzung steigen“ so Niesar. Waldbesitzer sollten sich daher verschiedene Optionen für die Zukunft offen halten und die natürlichen Abwehrkräfte der Wälder fördern.

Dr. Mathias Niesar referierte über Waldschutz in Zeiten des Klimawandels

Die Eichen im Münsterland haben mit verschiedenen Stressfaktoren zu kämpfen: Stürme, Witterungsextreme, Trockenheit, aber auch die Stickstoff-Einträge durch die Luft. „Dies macht sie anfälliger für blattfressende Schmetterlingslarven im Frühjahr. Und dieser Fraß ist stets der Auslöser der sogenannten Eichen-Komplexkrankheit, der alleine aber nicht zu Eichensterbenssituationen führt. Kommt zum Beispiel wie in 2010 starker Mehltaubefall hinzu, sterben wie in den vergangenen Jahren in der Region geschehen zahlreicher Eichen ab.“ Aus Waldschutzgründen könne hier eine schnelle Entnahme der Bäume sinnvoll sein – in anderen Fällen empfahl Niesar jedoch das Belassen abgestorbener Eichen, um die biologische Vielfalt und damit auch die Abwehrkräfte der Wälder zu stärken.

Eine aktuelle Herausforderung ist das sogenannte Eschentriebsterben, dem viele heimische Eschen zum Opfer fallen. Niesar verdeutlichte das Ausmaß und die Symptome, an denen Waldbesitzer befallene Eschen erkennen können. Darüber hinaus gab er Handlungsempfehlungen für bewirtschaftete Wälder und erläuterte die Maßnahmen, mit denen die forstliche Zukunft der Eschen in NRW gesichert werden soll. „Denn“ so Niesar „die Esche ist gerade in Zeiten des Klimawandels eine wichtige Baumart, weil sie auf vielen unterschiedlichen Standorten wachsen kann.“

Referent und Waldbesitzer diskutierten angeregt über die Folgen, die sich aus den Erkenntnissen für Ihren Wald ergeben. Heinz-Peter Hochhäuser, Leiter des Regionalforstamtes Münsterland, sagte dazu: „Manchmal ist es auch sinnvoll, einfach mal zehn Jahre nichts zu tun und dann die natürlichen Prozesse im Wald zu nutzen.“ Die nächste Veranstaltung der Reihe „Wälder im Klimawandel“ wird am 17. Mai 2017 stattfinden. Die Details zum Termin werden frühzeitig über die üblichen Kanäle bekannt gegeben.

„Fit für den Klimawandel“ bundesweites Vorbild für erfolgreiche Zusammenarbeit im Wald

Das 8. Nationale Forum zur biologischen Vielfalt des Bundesumweltministeriums hatte sich vorgenommen, den Dialog zwischen Waldbesitzern, Forstwirtschaft und Naturschutz zu stärken. Das Projekt „Fit für den Klimawandel“ war dafür als Beispiel einer erfolgreichen und konstruktiven Zusammenarbeit nach Berlin eingeladen. NABU-Naturschutzstation Münsterland und Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen arbeiten Hand in Hand für die Zukunft der Wälder im Münsterland.

Dr. Britta Linnemann und Heinz-Peter Hochhäuser auf dem Nationalen Forum zur Biologischen Vielfalt in Berlin. Copyright: BMUB/Kathrin Heller

Staatssekretär Jochen Flasbarth betonte: „Wir brauchen mehr Natur im deutschen Wald. Dazu wünsche ich mir eine bessere Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Forstwirtschaft und Waldbesitzern. Denn Wälder haben mehr als Holz zu bieten. Sie binden Kohlendioxid und puffern den Klimawandel. Sie sind Raum für Erholung und Inspiration, sie schützen vor Hochwasser, sie filtern Grundwasser und Luft. Die biologische Vielfalt der Wälder ist für all diese Leistungen die unverzichtbare Grundlage.“

„Fit für den Klimawandel“ als bundesweites Vorbild für erfolgreiche Zusammenarbeit im Wald. Copyright: BMUB/Kathrin Heller

Dr. Britta Linnemann, Vorstandsvorsitzende der NABU-Naturschutzstation, und Heinz-Peter Hochhäuser, Leiter des Regionalforstamtes Münsterland, stellten die gemeinsame Arbeit im Projekt „Fit für den Klimawandel“ vor. Wichtige Erfolgsgaranten sind der kontinuierliche Austausch untereinander, das gemeinsame Auftreten nach außen und vor allem die frühzeitige Einbindung aller beteiligten Akteure. So wurden die Waldbesitzer auf freiwilliger Basis von Anfang an in das Projekt mit einbezogen. Sie sind nach wie vor eingeladen, mit ihren Flächen von den Maßnahmen und den Informationsangeboten im Projekt zu profitieren.

Staatssekretär Flasbarth nannte das Projekt ein gelungenes Beispiel der konstruktiven Zusammenarbeit von Forstwirtschaft und Naturschutz: „Es widmet sich dem Zusammenhang von Wald und Klima. Und es berücksichtigt dabei die biologische Vielfalt, fördert den Klimaschutz durch Wald und Holz sowie die Anpassung der Wälder an den Klimawandel. So bringt es konkrete Effekte vor Ort und füllt gleichzeitig unsere Strategien und Konzepte mit Leben.“

Zehn Jahre nach Orkan „Kyrill“ – Wälder fit für den Klimawandel machen

Vor zehn Jahren fegte der Sturm Kyrill über Deutschland hinweg. Er richtete Schäden in Milliardenhöhe an und forderte elf Todesopfer. In NRW waren vor allem die Wälder im Sauerland und Siegerland betroffen, aber auch in und Münsterland wurden viele Bäume umgeworfen. Im Süden von Münster war dies besonders in der Hohen Ward zu sehen, wo zahlreiche Reinbestände von Nadelbäumen betroffen waren.

Es ist davon auszugehen, dass Stürme und Starkregen als Folge des Klimawandels weiter zunehmen werden. Die heimischen Laubwälder haben über Jahrhunderte gute Strategien gegen extreme Wetterereignisse entwickelt. Deshalb sollten widerstandsfähige Wälder entwickelt und der Waldumbau hin zu naturnahen Mischwäldern vorangetrieben werden. Trotz zahlreicher Anstrengungen in den vergangenen Jahren gibt es noch immer zahlreiche naturferne, anfällige Nadelwälder. Angesichts der schweren Schäden durch „Kyrill“ vor zehn Jahren gibt es weiterhin großen Bedarf, die Entwicklung von naturnahen und stabilen Mischwäldern in Deutschland voranzutreiben.

Naturnaher, strukturreicher Eichen-Hainbuchenwald im Süden von Münster

Daher arbeitet die NABU-Naturschutzstation Münsterland zusammen mit dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW daran, die Wälder im Süden von Münster „Fit für den Klimawandel“ zu machen. Strukturreiche Mischwälder werden entwickelt, der natürliche Landschafts-Wasserhaushalt wird in geeigneten Bereichen wiederhergestellt und Altholzinseln wurden zur Förderung der Artenvielfalt aus der Nutzung genommen. Waldbesitzer sind nach wie vor eingeladen, von den Angeboten im Projekt zu profitieren. Interessenten können sich jederzeit gerne bei der NABU-Naturschutzstation Münsterland unter 02501-9719433 oder wald@nabu-station.de melden.

Naturnahe Waldbewirtschaftung – Was ist das? – Neue Davert Depesche+ erschienen

Nachhaltig, naturnah oder ökologisch – diese Worte hört man oft. Die Unterschiede sind schwer zu durchschauen, ob im Umweltschutz oder bei der Bewirtschaftung der Wälder. Wir wollen ein wenig Licht ins Dunkel bringen und haben dazu den landesweiten Experten befragt. Nicht zuletzt stellen wir eine Baumart vor, die sich vom Zukunftsbaum zum Sorgenkind entwickelt hat.

Mit diesen Themen beschäftigt sich die neue Davert Depesche+. Sie liegt ab sofort an den bekannten Orten im Süden von Münster und kann hier abgerufen werden. Die Depesche stellt die Aktivitäten des Projektes „Fit für den Klimawandel“ vor und informiert über aktuelle Veranstaltungen zum Thema im Gebiet. Viel Spaß beim Lesen!

Wälder im Klimawandel – Informationen für Waldbesitzer

161123_waldbesitzer_klimawandelDie NABU-Naturschutzstation Münsterland hatte zusammen mit dem Regionalforstamt Münsterland Waldbesitzer zu einer Informations-Veranstaltung eingeladen. Rund 20 Waldbesitzer und weitere Interessierte waren am Mittwoch, den 23. November 2016, im historischen Speicher von Haus Heidhorn zusammengekommen, um sich über die Bedeutung des Klimawandels für ihre Wälder zu informieren.

Nach der Begrüßung durch Dr. Britta Linnemann berichtete Michael Elmer von der NABU-Naturschutzstation Münsterland über den aktuellen Wissensstand zum Klimawandel: Welche Veränderungen sind in den letzten Jahren beobachtet worden? Was wissen wir über die Ursachen? Welche Entwicklungen können wir für die Zukunft erwarten? Es wurde deutlich: Der Klimawandel ist längst bei uns angekommen; die Folge ist ein akuter Handlungsbedarf. Zur weiteren Information empfahl Elmer das Internet-Portal KlimafolgenOnline.

Prof. Dr. Norbert Hölzel, Leiter der AG Biodiversität und Ökosystemforschung an der Uni Münster, stellte vor diesem Hintergrund die Besonderheiten der Eichen-Hainbuchenwälder im Münsterland vor. „Längere Trockenphasen führen zu Produktions- und Vitalitätseinbußen in den Wäldern.“ so Hölzel. Der Rückbau der künstlichen Entwässerung könne den Trockenstress der Bäume reduzieren und ihre Vitalität fördern. Auf den wechselfeuchten Standorten seien die Eichen weiterhin die naturnahe Option für die Zukunft.

Manfred Stemmer, Fachgebietsleiter im Regionalforstamt Münsterland, verdeutlichte die Auswirkungen des Klimawandels auf die Standorte im Süden von Münster. „In Zeiten des Klimawandels ist der Wasserhaushalt entscheidend für die Vitalität der Bäume.“ so Stemmer. Die Fichte werde im Münsterland zunehmend durch klimastabile Baumarten ersetzt. Das übergeordnete Ziel sei die Entwicklung von stabilen Mischbeständen aus standortgerechten Baumarten. Stemmer schloss seine Ausführungen mit dem Appell: „Der Waldboden ist das Basiskapital für jeden Forstbetrieb.“

Im Anschluss diskutierten Referenten und Waldbesitzer angeregt über die Folgen, die sich aus den Erkenntnissen für Ihren Wald ergeben. „Das war hochinteressant, wann findet die nächste Veranstaltung bei Ihnen statt?“ fragte eine Waldbesitzerin schließlich. Und Dr. Dirk Bieker konnte die nächste Diskussionsrunde zum Thema „Waldschutz in Zeiten des Klimawandels“ für den 22. Februar 2017 ankündigen. Die Details zum Termin werden rechtzeitig über die üblichen Kanäle bekannt gegeben.

Die Präsentationen der Veranstaltung können Sie hier herunterladen:

Welche Bedeutung haben Naturerfahrungen für Kinder? – Neue Davert Depesche+ zur Umweltbildung erschienen

Wir alle haben eine dd_28_titel_kleinBeziehung zum Wald, vielleicht schon als Kind Erfahrungen im Wald gemacht oder sind Eigentümer von Waldflächen. Welche Bedeutung hat die Verbindung zur Natur? Wie können Naturerfahrungen für Kinder durch die Umweltbildung ermöglicht werden? Wie wird all das in den Wäldern im Süden von Münster in die Tat umgesetzt? Und wer ist eigentlich der Wächter des Waldes.

Mit diesen Fragen beschäftigt sich die neue Davert Depesche+. Sie liegt ab sofort an den bekannten Orten im Süden von Münster und kann hier abgerufen werden. Die Depesche stellt die Aktivitäten des Projektes „Fit für den Klimawandel“ vor und informiert über aktuelle Veranstaltungen zum Thema im Gebiet. Viel Spaß beim Lesen!

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